stich_riedenburg

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Historisches Riedenburg


Die Entstehung des Herzogtums Bayern und der Ritterschaft

Die Grafen von Riedenburg entstammten dem Geschlecht der Babonen, sie lebten im 11. und 12. Jahrhundert, im Hochmittelalter, und waren sehr wahrscheinlich die Erbauer der drei Burgen Rabenstein, Tachenstein und Rosenburg.

Nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches wanderte im 6. Jahrhundert aus dem Raum Böhmen der Stamm der Bajwaren nach Bayern ein und traf hier auf keltische und romanische Bevölkerungsreste, die sich im Laufe der folgenden Jahrhunderte mit den Bajwaren vermischten. Das Land war zu dieser Zeit fast gänzlich mit Eichen- und Buchenwäldern bedeckt, daher entstanden neue Siedlungen vor allen an Flussläufen wie der Altmühl; die damals entstandenen Orte sind oftmals durch die Endung “ing” (Aicholding, Deising) erkennbar. In mehreren Rodungswellen wurde das Land urbar gemacht. Es entstand das Stammesherzogtum Bayern mit dem Herzogsitz in der vormaligen römischen Garnisonsstadt Regensburg. Von seiner Ausdehnung her umfasste das damalige Herzogtum Bayern das heutige Altbayern, aber auch einen großen Teil des heutigen Österreichs und reichte im Süden sogar bis Bozen und Meran. In diese Zeit fällt auch der Beginn der Christianisierung durch iro-schottische Mönche. Das Herzogtum Bayern war Teil des Frankenreiches, wobei sich ein ständiges Ringen zwischen Herzogsgewalt und Königsmacht durch die Jahrhunderte zieht. Es fand einen seiner dramatischen Höhepunkte in der Entmachtung Herzog Tassilos im Jahr 789.

Das Herzogtum war untergliedert in Gaue, in denen die Gaugrafen für den Herzog Verwaltung und Gerichtsbarkeit ausübten, das Altmühltal war dem Donaugau zugeordnet. Die Bevölkerung bestand größtenteils aus abhängigen Bauern sowie dem Hochadel. Dazwischen entstand im 8. Jahrhundert die Schicht der Edelinge, die größeren eigenen Grundbesitz hatten, untereinander versippt waren und viele kirchliche Würdenträger stellten. Dem Herzog waren sie durch Hofdienst und Grafenamt verpflichtet; sie konnten somit als Träger des Staates gelten. In dieser Zeit entstand auch das Geschlecht der Babonen, der Grafen von Riedenburg.

Untrennbar verbunden mit dem Werden der Edelinge war das Entstehen des Rittertums. Der Ausdruck “Ritter” bezeichnete ursprünglich nichts anderes als einen reitenden Soldaten. Die Heere der germanischen Stämme bestanden lange Zeit nur aus Fußsoldaten, die jedoch insbesondere den Reiterscharen der Awaren, die aus Ungarn immer wieder verheerend nach Bayern vorstießen, nicht gewachsen waren. Die bayerischen Herzöge waren daher gezwungen, gleichfalls Reitertruppen aufzustellen. Die Kosten für die Anschaffung eines Schlachtrosses, eines Packpferdes und der Ausrüstung, die etwa den Gegenwert von 45 Kühen darstellten, überstiegen jedoch bei weitem die Mittel eines regulären Bauernsoldaten.

Es wurde daher Anfang des 9. Jahrhunderts kirchlicher Grundbesitz eingezogen, der wiederum an besonders befähigte Kämpfer weitergegeben wurde um daraus die Mittel für die Ausrüstung eines Reitersoldaten erwirtschaften zu können. Im Jahr 955 konnten dann die Ungarn vom Deutschen Reichsheer auf dem Lechfeld vernichtend geschlagen werden. Es ist wahrscheinlich dass der erste geschichtlich sicher nachweisbare Vertreter des Babonengeschlechts, Graf Babo I., an dieser Schlacht als junger Mann teilgenommen hat. Die babonischen Grafen entwickelten sich von da ab zu einem der bedeutendsten Bayerischen Adelsgeschlechter, die auch auf Reichsebene wichtige Posten bekleideten. Das ursprüngliche Wappen der Babonen war schräggeteilt, unten weiß und oben schwarz. In vielen Gemeindewappen der Region, auch in Riedenburg, sind noch Elemente dieses Wappens enthalten.


Die Geschichte der Grafen von Riedenburg

Die Grafen von Riedenburg gehörten zum Geschlecht der Babonen. Dieses war ein bedeutendes altbayerisches Adelsgeschlecht im Donauraum um Regensburg und ist seit dem ausgehenden 10. Jahrhundert historisch nachweisbar. Das älteste gesicherte Glied ihrer Stammesreihe ist Babo I. (oder Pabo I.), dieser war Graf im westlichen Donaugau und lebte von 940 bis 1001. Wo der ursprüngliche Stammsitz des Geschlechts war, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Babo hatte eine Reihe von Nachkommen, die ihrerseits Edelsitze begründeten, hierzu zählen u.a. Abensberg, Rohr, Ratzenhofen, Randeck, Prunn, Altmannstein und auch Riedenburg.

Ihre herausragende Bedeutung erlangten die Babonen durch die Ausübung des Amtes der Burggrafen von Regensburg. Regensburg war seinerzeit eine der bedeutendsten Städte Deutschlands, Sitz der Bayerischen Herzöge und gleichzeitig befestigte Reichsstadt. Die administrative, richterliche und militärische Gewalt in der Stadt wurde anstelle des Kaisers von Burggrafen ausgeübt. Im Jahr 976 übertrug Kaiser Otto II. das Amt des Burggrafen von Regensburg an Graf Babo I. Dieses Amt übten die Babonen über viele Generationen bis zum Jahr 1196 aus. Als Babo I. im Jahr 1001 starb, übernahm dessen Sohn Rupert die Amtsgeschäfte. Ein weiterer Sohn Babos I., Babo II. dürfte der kinderreiche Graf Babo von Abenberg gewesen sein. Nach Ruperts Tod im Jahr 1035 folgte diesem bis zum Jahr 1088 Heinrich I. In seine Amtszeit fiel der Bau der Steinernen Brücke in Regensburg, die damals als achtes Weltwunder betrachtet wurde.

Ein Bruder Heinrichs I., Otto von Riedenburg, war von 1061 bis 1089 Bischof von Regensburg. Während seiner Amtszeit herrschte der sogenannte Investiturstreit mit dem Heiligen Stuhl, da Bischof Otto sich loyal zu Kaiser Heinrich IV. verhielt, wurde er vom Papst gebannt, im Gegenzug war Bischof Otto auf der Synode von Worms im Jahr 1076 an der Absetzung von Papst Gregor VII. beteiligt. Überliefert ist auch eine Wallfahrt Bischof Otto’s ins Heilige Land im Jahr 1064.

Auf Graf Heinrich I. folgte 1088 Heinrich II., dieser starb jedoch bereits im Jahr 1101 in Jerusalem im Zusammenhang mit dem 1. Kreuzzug. Es folgte bis 1143 sein Sohn Otto I., dieser hatte zwei Söhne, Heinrich III. und Otto II. Er teilte seinen Besitz unter ihnen auf: Heinrich III. erhielt die Besitzungen an der Unteren Altmühl sowie das Burggrafenamt in Regensburg, Otto II. erhielt Besitzungen im Bayerischen Wald und nannte sich fortan nach seinem dortigen Stammsitz Landgraf von Stefling (bei Nittenau), er heiratete Adelheid von Wittelsbach. Heinrich III. heiratete Berta von Österreich, eine Tochter des Heiligen Leopold. Er stiftete im Jahr 1155 in Altmühlmünster eine Niederlassung des Ordens der Tempelritter. Als „Burggrave von Regensburg“ ist Heinrich III. in der sogenannten manessischen Liederhandschrift, der bedeutendsten Darstellung des deutschsprachigen Minnesangs dargestellt.
Heinrich III. starb 1177, er hatte drei Söhne: Friedrich I.(+1182), Heinrich IV., (+1185), und Otto III. (+ ca. 1183), dieser nannte sich nach seinem Stammsitz auch Graf von Rohrbach (bei Pfaffenhofen), bei einem dieser Brüder handelt es sich um den Minnesänger „Burggrave von Rietenburg“. Ferner hatte Heinrich III. noch drei Töchter, von denen Adelheid, die Äbtissin in Regensburg war, namentlich bekannt ist. Heinrich IV:, Otto III. und Adelheid wurden später seliggesprochen. Da alle drei Söhne Heinrichs III. kinderlos verstarben war das Geschlecht der Grafen zu Riedenburg damit erloschen, das Erbe fiel an die verwandten Landgrafen von Stefling, aber auch diese Linie starb ihrerseits im Jahr 1196 aus.

Die Grafschaft Riedenburg fiel damit an den Landesherrn, den Wittelsbacher Herzog Ludwig I. den Kelheimer. Das Geschlecht der Grafen von Riedenburg ereilte damit ein ähnliches Schicksal wie die meisten der alten bayerischen Adelsfamilien, die im 12. und 13. Jahrhundert erloschen. Grund hierfür war das Bestreben, die nachgeborenen Söhne von einer Heirat abzuhalten, um eine Erbteilung zu verhindern. Fiel dann der Erbe im Kampf oder hatte er keine Nachkommen, starb das Geschlecht aus. Die große Bronzestatue an der Schiffsanlegestelle erinnert an die beiden Minnesänger aus dem Riedenburger Grafengeschlecht.


Die Burggrafen und Herrensitze des Mittelalters in und um Riedenburg

Das Altmühltal mit seinen schroffen Felsformationen bot im Mittelalter die idealen Voraussetzungen für die Errichtung schwer angreifbarer, befestigter Adelssitze. So entstand etwa ab dem Jahr 1000 im Raum Riedenburg eine erstaunlich große Anzahl von Burgen, die teils untergegangen, teils bis heute erhalten geblieben sind. Dem interessierten Beobachter fällt natürlich zuerst das Burgentrio auf den Höhenzügen um Riedenburg ins Auge, wovon wiederum die Rosenburg mit ihrem hervorragenden Erhaltungszustand am beeindruckendsten ist.

Die erste Burganlage Riedenburgs war allerdings am Rabenstein und wird wohl von den Babonen im 11. Jahrhundert, kurz nach ihrem Aufstieg zum Edelgeschlecht errichtet worden sein. Der Antransport des Baumaterials erfolgte sicher über das Terrain der späteren Rosenburg. Von Ihrem räumlichen Zuschnitt her sehr beengt, dürfte sie den Ansprüchen der Riedenburger Grafen bald nicht mehr genügt haben, die dann im 12. Jahrhundert in großzügigerem Zuschnitt die Rosenburg errichteten, viel Lebensraum blieb den Bewohnern und Ihrem Gesinde, neben den Pferden, dem Vieh und den Vorräten allerdings auch dort nicht.

Ob die Burg Rabenstein anschließend von einem eigenen Rabensteiner Geschlecht bewohnt war ist sehr fraglich, vermutlich diente sie noch als Beobachtungsposten und ist dann aber bereits im Mittelalter verfallen. Rätselhaft bleibt der Zweck der Burg Tachenstein, die wohl als letzte der drei Riedenburger Burgen entstanden ist, im Dunkel der Geschichte sind kaum Anhaltspunkte zu finden. Ob eine Erbteilung der Anlass für den Bau war oder ein Machtkampf, ist unbekannt. Auch Burg Tachenstein verfiel im Verlauf der Jahrhunderte. Der Rosenburg, nach dem Aussterben der Babonen 1196 in den Besitz des Bayernherzogs Ludwig des Kelheimers gelangt, blieb als Amtssitz des Pflegers das Schicksal der meisten mittelalterlichen Wehrbauten erspart – als Steinbruch für Bürgerhäuser zu dienen. Das Wappen der Grafen von Riedenburg, die drei Rosen, ein heraldisches Symbol für die „Minne“, ist in fast unveränderter Form heute das Stadtwappen von Riedenburg.

Nur wenige hundert Meter vom Burgentrio entfernt befindet sich ein weiterer Edelsitz – das Schloß Aicholding. Wie die Endung „ing“ anzeigt, entstand diese Ansiedlung bereits während der ersten Rodungswelle im Zuge der Landnahme. Mit Herrenhaus, der romanischen Kirche St. Martin, Wirtschaftsgebäude und Mauerring stellt Aicholding die klassische Grundform eines Landadelssitzes dar; es befindet sich heute in Privatbesitz. Das Geschlecht der Aicholdinger, wohl Dienstleute der Grafen von Riedenburg führte einen Windhund im Wappen und ist anfangs des 15. Jahrhundert erloschen. Nur einen Steinwurf entfernt befand sich die Hammermühle der Kerstorfer, einem alten Adelsgeschlecht aus der Gegend von Ebersberg, sie führten zwei beschnittene Baumstämme auf einem Dreiberg im Wappen und starben 1530 aus.

In Harlanden ist noch der Stumpf des ehemaligen Bergfrieds eines kleinen Edelsitzes vorhanden. Ab 1120 bis 1382 kommt dort das Geschlecht derer von Harlanden vor. Ihr Wappen konnte bislang nicht aufgefunden werden. Später sind dort die Wallrab erwähnt, sie führten eine Zinne im Schild. Dort wo die Straße nach Grub  in die Kreisstraße KEH 1 einmündet, befand sich einst der Sitz der Hintzenhauser, nur geringe Mauerreste zeugen heute noch von dem wehrhaften Bauwerk. Auch in  Schambach saß ein Zweig dieser Familie. Deren Wappen, ein Rehschlegel ist auf einem Grabstein aus dem Jahr 1366 an der Kirche von Georgenbuch noch heute vorhanden.

Auch auf dem Kirchfelsen in Eggersberg stand einst eine Burg, ein Teil der Ringmauer und der Kehlgraben sind noch sichtbar. Erbauer waren vermutlich die Babonen. Erst kürzlich wurde durch eine neue Treppenanlage ein Zugang zu diesem großartigen Aussichtspunkt geschaffen. Das Schloß Eggersberg entstand erst im 17. Jahrhundert.

Von der Burg Flügelsberg sind nur noch geringe Reste vorhanden, sie geht auf das 12. Jahrhundert zurück und wurde von den Schenken von Flügelsberg erbaut, sie führten ein Paar Flügel im Wappen. Später gelangte die Burg in den Besitz der Muracher, die sich durch Ihre Raubzüge hervortaten, und der Parsberger. Im Löwlerkrieg wurde die Burg 1492 durch Herzog Albrecht völlig zerstört.

Der Glanzpunkt des heutigen Burgeninventars um Riedenburg ist zweifellos die Burg Prunn. Ihre Ursprünge liegen im 11. Jahrhundert; sie scheint gleichfalls eine Gründung der Babonen gewesen zu sein, wie übrigens auch Altmannstein. Die Burgherren von Prunn verlagerten ihren Schwerpunkt im Laufe der Zeit nach Laaber, ihr Wappen zeigte drei rote Querbalken auf silbernem Grund. Im Jahr 1311 kamen die Frauenberger aus Haag nach Prunn und brachten das heute noch weithin sichtbare Schimmelwappen mit. Im Löwlerkrieg nur knapp der Zerstörung entgangen, fand man auf Burg Prunn 1575 eine Handschrift des Nibelungenliedes den sog. „Prunner Codex“.

Abgerundet wird die Aufzählung ritterlicher Behausungen durch eine Sonderform: Die Niederlassung des Templerordens in Altmühlmünster. Dieser geistliche Ritterorden war zur Zeit der Kreuzzüge in Jerusalem gegründet worden, sein Kennzeichen war das rote Kreuz auf weißem Tuch. Im Jahr 1155 stiftete Graf Heinrich III. von Riedenburg die Niederlassung in Altmühlmünster „zu seinem Seelenheil“ und stattete sie mit Grundbesitz aus. Als der Templerorden zu mächtig wurde, wurde er 1312 zerschlagen, seine Güter gingen auf den Johanniterorden über. Inzwischen sind Jahrhunderte vergangen, die steinernen Zeugen dieser Epoche sind geblieben und ziehen immer noch Menschen in ihren Bann.

Der Drei-Burgen-Steig in Riedenburg und der Rosskopfsteig in Meihern/Deising mit ihren Informationstafeln wurden angelegt, um Besuchern eine Zeitreise in die Welt der Burgen und Ritter im Altmühltal anzubieten.


Verbindung zum englischen Königshaus

Nach allen bisher vorliegenden Quellen ist das Geschlecht der Grafen von Riedenburg um 1200 „ausgestorben“ – dies bedeutet aber lediglich, dass keine männlichen Nachkommen mehr vorhanden waren. Weibliche Nachkommen konnten sehr wohl vorhanden sein und weitere Generationen begründen. Zumindest in dem Fall einer Riedenburger Grafentochter ist die Ahnenreihe bis auf den heutigen Tag nachweisbar und endet im Englischen Königshaus!

Mechthild von Riedenburg war die Tochter des Burggrafen und Minnesängers Heinrich III. und seiner zweiten Ehefrau Hedwig von Öttingen. Sie wurde zwischen 1150 und 1160 geboren und heiratete Graf Poppo II. von Wertheim, dieser war ein Förderer des Minnesängers Wolfram von Eschenbach, des Dichters des Parzival. Interessanterweise führten die Grafen von Wertheim seither auch drei Rosen im Wappen. Die Rose gilt als das heraldische Symbol der Minne, also der Liebe. Kurz vor dem „Aussterben“ der Wertheimer Grafen im 16. Jahrhundert heirate Marie von Wertheim den Grafen Eberhard XIII. von Erbach im Odenwald. Über weitere Heiraten in das Haus Reuss in Thüringen und Sachsen-Coburg entstand schließlich die Verbindung mit dem englischen Königshaus:

Heinrich III. von Riedenburg, Burggraf von Regensburg +1174
Mechthild von Riedenburg ~ Poppo II. von Wertheim +1238
Poppo III. von Wertheim +1264
Rudolf II. von Wertheim +1306
Rudolf III. von Wertheim +1355
Eberhard I. von Wertheim +1373
Johann I. von Wertheim +1407
Michael I. von Wertheim +1440
Wilhelm I. von Wertheim +1481
Michael II. von Wertheim +1531
Marie von Wertheim +1553
Eberhard XIII. von Erbach +1539
Eberhard XIV. von Erbach +1564
Georg III. von Erbach +1605
Georg-Albrecht I. von Erbach-Erbach +1647
Georg-Albrecht II. von Erbach-Forstenau +1717
Georg-August von Erbach-Schönberg +1758
Caroline-Ernestine von Erbach-Schönberg +1795 ~ Heinrich XXIV. von Reuss +1779
Auguste-Caroline v. Reuss-Ebersdorf +1831 ~ Franz-Fr. v. Sachsen-Coburg +1806
Viktoria v. Sachsen-Coburg +1861 ~ Prinz Edward August von England +1880
Königin Victoria von England +1901
König Edward VII. von England +1910
König Georg V. von England +1936
König Georg VI. von England +1952
Königin Elizabeth II: von England

Nachdem Königin Victoria auch die Großmutter von Kaiser Wilhelm II. war, zählen die Grafen von Riedenburg auch zu den Vorfahren des deutschen Kaiserhauses.


Ein Riedenburger half bei der „Geburt“ Österreichs

Vor 850 Jahren, im September 1156 erhob Kaiser Friedrich I. Barbarossa beim Hoftag in Regensburg, der damaligen Hauptstadt des Herzogtums Bayern, die bayerische Ostmark zu einem eigenständigen Herzogtum. Dies gilt heute als Geburtsstunde Österreichs. Der Riedenburger Graf Heinrich III. war an diesem für die Geschichte Europas bedeutenden Ereignis gleich in zweifacher Hinsicht beteiligt.

Im Unterschied zum heutigen Freistaat umfasste das Herzogtum Bayern damals vor allem Altbayern, sowie den größten Teil des heutigen Österreich und Südtirol. Brixen und Salzburg waren bayerische Bistümer. Die Gegend um Wien war den Ungarn abgenommen und als Grenzmark befestigt worden. Nachdem in Bayern die Welfen und die Babenberger Jahrzehnte langum die Vorherrschaft gestritten und sich als Herzöge abgelöst hatten, versuchte Kaiser Friedrich I. Barbarossa einen dauerhaften Ausgleich herbeizuführen und berief hierzu die Reichsfürsten zum Hoftag nach Regensburg, wo auf den Wiesen vor Barbing ein farbenprächtiges Feldlager entstand. Graf Heinrich III. von Riedenburg dürfte in seiner Funktion als kaiserlicher Burggraf der Reichsfestung Regensburg mit der organisatorischen Vorbereitung dieses Ereignisses ziemlich gefordert gewesen sein.
Allein die Verköstigung der Würdenträger, ihres Gefolges und ihrer Eskorten war in einer Zeit ohne Kühlschränke und Konservierungsmittel eine gewaltige Aufgabe, dazu kam die Beschaffung des Futters für die zahlreichen Pferde. Zu guter letzt zogen derartige Ereignisse auch viele Bettler, Quacksalber und Dirnen an, was für die Ordnungsmacht weitere Arbeit bedeutete. Da sich Graf Heinrich vor dem Kaiser keine Pannen erlauben konnte, dürfte er in diesen Wochen kaum Zeit gefunden haben, zur Laute zu greifen und den anwesenden Damen seine Minnelieder vorzutragen.

Kaiser Friedrich Barbarossa beendete das Gezänk des bayerischen Hochadels mit einem Federstrich auf der Landkarte:
Die bayerische Ostmark wurde vom Herzogtum Bayern abgetrennt, zum eigenständigen Herzogtum Österreich erhoben und dem Babenberger Heinrich II. Jasomirgott übergeben. Neuer bayerischer Herzog wurde der kämpferische Welfe Heinrich der Löwe (sein Nachfahre, Prinz Ernst August sorgt heute noch hin und wieder für Schlagzeilen). Die entsprechende Urkunde wurde ausgefertigt, Bischof Hartwig II. von Regensburg gab seinen Segen dazu – und Österreich war geboren. Auch Graf Heinrich III. von Riedenburg dürfte sich gefreut haben, denn seine wenige Jahre zuvor verstorbene Frau Bertha, war niemand anderes als die Schwester des frischgebackenen österreichischen Herzogs Heinrich II. Jasomirgott gewesen.

Als die Herrschaften mit ihrem Tross Regensburg wieder verlassen hatten und der Flurschaden beseitigt war, war unser Graf wohl erleichtert und freute sich wahrscheinlich auf einen Humpen guten Riedenburger Bieres auf seiner Rosenburg im Altmühltal. Zusammen mit seinen Söhnen würde er noch gelegentlich zu einem Besuch der Verwandten an den Babenberger Hof in die Nähe von Wien reisen.

Welches Schicksal war den an der Geburt Österreichs Beteiligten bestimmt:

  • Heinrich II. Jasomirgott, Herzog von Österreich starb 1177 im Alter von 63 Jahren nach einem Sturz vom Pferd.
  • Heinrich der Löwe, Herzog von Bayern rebellierte gegen Kaiser Friedrich, Barbarossa wurde 1180 entmachtet und durch die Wittelsbacher ersetzt; er ging ins Exil nach England und starb 1195 im Alter von 66 Jahren.
  • Kaiser Friedrich Barbarossa ertrank im Jahr 1190 auf dem Kreuzzug in einem Fluss in Anatolien.
  • Graf Heinrich III. von Riedenburg heiratete nochmals, hatte insgesamt 3 Söhne und 3 Töchter und wurde der erste namentlich bekannte Minnesänger Bayerns. Er starb 1174 im Alter von 74 Jahren. In der sogenannten” Manesse Handschrift” ist er in seiner Funktion als Gerichtsherr von Regensburg dargestellt. Heinrich III. bildet auch das historische Vorbild für die mittelalterlichen Stadtführungen in Riedenburg.